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Balkonkraftwerk in der Eigentumswohnung: Beschluss 2026

So klären Stockwerkeigentümer Geländer, Mehrheit und Beschluss, bevor ein Balkonkraftwerk bestellt oder an der Fassade montiert wird.

Bestellen Sie das Balkonkraftwerk erst, wenn ein präziser Gemeinschaftsbeschluss vorliegt. Wird ein Modul aussen am Balkongeländer oder an der Fassade befestigt, betrifft es regelmässig einen gemeinschaftlichen Gebäudeteil und die äussere Erscheinung. Dafür gibt es im Schweizer Stockwerkeigentum keine allgemeine Regel «einfache Mehrheit genügt». Entscheidend sind der betroffene Bauteil, die Einordnung der konkreten Massnahme nach Art. 647c–647e ZGB und das Reglement der Liegenschaft.

Für die typische private Aussenmontage nennt das FAQ von EnergieSchweiz und Bundesamt für Energie vom Dezember 2024 Art. 647e ZGB: grundsätzlich Zustimmung aller Eigentümer. Ein qualifiziertes Mehr kann nur unter den Schutzbedingungen von Absatz 2 genügen. Diese Seite arbeitet mit der geltenden Fedlex-Fassung des ZGB vom 1. Januar 2026, geprüft am 28. Juli 2026. Die Botschaft BBl 2026 1516 und der Entwurf BBl 2026 1517 sind zu diesem Zeitpunkt noch kein geltendes Recht.

Bauteil
Sonderrecht oder gemeinschaftlich?
Kategorie
notwendig, nützlich oder Komfort
Beschluss
Projekt und Stimmen protokollieren
Dann kaufen
nur die freigegebene Ausführung

Zuerst den Bauteil klären: Geländer, Fassade und Balkoninneres

Art. 712a ZGB gibt dem Stockwerkeigentümer Freiheit in den eigenen, zu Sonderrecht ausgeschiedenen Räumen. Die Grenze ist ebenso klar: Gemeinschaftliche Bauteile dürfen weder beschädigt noch in Funktion oder äusserer Erscheinung beeinträchtigt werden. Art. 712b Abs. 2 zählt Bauteile, die die äussere Gestalt und das Aussehen des Gebäudes bestimmen, zu den zwingend gemeinschaftlichen Teilen.

Für Balkone ist die Trennlinie praktisch wichtig. Das Kantonsgericht Luzern hielt im rechtskräftigen Entscheid 1B 18 32 vom 8. Februar 2019 fest, dass Balkongeländer als äussere Teile des Balkons Bestandteile der Fassade und damit zwingend gemeinschaftlich sind. Auch ein ausschliessliches Nutzungsrecht am Balkon ändert diese rechtliche Qualität nicht. Es erlaubt die Nutzung, aber nicht automatisch eine bauliche Veränderung am Geländer.

PrüffrageWenn die Antwort «ja» lautetNächster Beleg
Wird am Geländer, an der Brüstung oder Fassade geklemmt, gebohrt oder verschraubt?Gemeinschaftlicher Teil ist betroffenBegründungsakt, Reglement und Gemeinschaftsbeschluss
Verändert das Modul die von aussen sichtbare Fassade?Äussere Erscheinung ist betroffenAnsichtsskizze mit Mass, Farbe und Position
Steht ein Solartisch nur innerhalb des Balkonbereichs?Weniger Eingriff, aber keine automatische FreigabeSonderrechtsplan, Nutzungsordnung, Sicherheit und Baucheck
Hat die Gemeinschaft bereits einen verbindlichen Gestaltungsstandard beschlossen?Bestehender Beschluss kann das Projekt lenkenWortlaut, Geltungsbereich und Bedingungen des Beschlusses

Wer nur auf die Formulierung «mein Balkon» im Kaufvertrag schaut, übersieht häufig den Unterschied zwischen Sonderrecht und ausschliesslichem Nutzungsrecht. Die mechanische Eignung des konkreten Geländers wird anschliessend separat geprüft; dafür dient der CH-Montagecheck für Balkongeländer.

Welche Mehrheit gilt? Die drei Stufen des ZGB

Die Mehrheit richtet sich nicht nach dem Produktnamen, sondern nach der rechtlichen Kategorie der Massnahme. «Mehrheit aller Eigentümer» bedeutet ausserdem nicht bloss die Mehrheit der Personen, die gerade im Raum abstimmen. Das Quorum der Versammlung und das Abstimmungsquorum der Massnahme sind zwei verschiedene Rechnungen.

KategorieGesetzliche MehrheitSchutz der MinderheitLesart für Balkon-PV
Notwendig
Art. 647c
Mehrheit aller Miteigentümer; der Artikel verlangt keine zusätzliche WertquotenmehrheitEs geht um Arbeiten zur Erhaltung von Wert und GebrauchsfähigkeitEin neues privates Modul ist normalerweise keine notwendige Reparatur
Nützlich
Art. 647d
Mehrheit aller Miteigentümer, die zugleich den grösseren Teil der Sache vertrittKeine erhebliche dauernde Erschwerung ohne Zustimmung; unzumutbare Mehrkosten sind von den übrigen zu übernehmenDenkbar bei einem koordinierten Gemeinschaftsprojekt oder verbindlichen Standard für mehrere Einheiten
Verschönerung/Bequemlichkeit
Art. 647e
Grundsatz: Zustimmung aller MiteigentümerDoppelte Mehrheit nur bei keiner dauernden Nutzungsbeeinträchtigung, Ersatz vorübergehender Nachteile und Übernahme des Kostenanteils des NichtzustimmendenSo ordnet das BFE die typische private Aussenmontage ein

Das BFE spricht auf Seite 5 seines FAQ von einem qualifizierten Mehr, weil Art. 647e Abs. 2 eine Ausnahme von der Einstimmigkeit ermöglicht. Diese Ausnahme ist kein Freipass: Wird ein Nachbar dauerhaft geblendet, in seiner Nutzung eingeschränkt oder soll er Kosten tragen, obwohl er nicht zustimmt, muss die Schutzprüfung neu erfolgen. Im Streitfall entscheidet nicht der Shop und auch nicht diese Tabelle, sondern die konkrete Ordnung der Liegenschaft und nötigenfalls das Gericht.

Das Bundesgericht hat in BGE 130 III 450 klargestellt, dass ausbleibende Nachteile keine Erlaubnis zum eigenmächtigen Eingriff in gemeinschaftliche Teile schaffen. Deshalb lautet die sichere Reihenfolge nicht «montieren und schauen, ob jemand reklamiert», sondern «Projekt beschreiben, Kategorie begründen, abstimmen, protokollieren».

Ein Beschlussantrag, über den sich wirklich abstimmen lässt

Ein Antrag wie «Balkonkraftwerk auf Balkon erlauben» ist zu unbestimmt. Die Gemeinschaft weiss dann weder, welches Modul an welcher Stelle hängt, noch wer bei Fassadenarbeiten, Schäden oder einem Verkauf verantwortlich bleibt. Ein belastbarer Antrag verbindet die Zustimmung mit einem klar bezeichneten Dossier.

Muster für die Traktanden- und Beschlussvorlage

«Die Gemeinschaft bewilligt Eigentümer/in der Einheit ___ die Montage der im Dossier vom ___ bezeichneten Plug&Play-PV-Anlage an der markierten Stelle. Bewilligt sind ausschliesslich Modulzahl, Abmessungen, Farbe, Halterung und Leitungsweg gemäss Beilage.»

«Beschaffung, Montage, Meldungen, Betrieb, Unterhalt, Kontrolle, Mehrprämien, Schäden und Rückbau gehen zulasten der berechtigten Einheit. Änderungen am Projekt benötigen einen neuen Beschluss. Für Unterhalt oder Erneuerung gemeinschaftlicher Teile ist der Zugang zu gewähren und die Anlage nötigenfalls auf eigene Kosten vorübergehend oder dauerhaft zu entfernen.»

Zusätzlich sollte der Beschluss regeln, ob gebohrt werden darf, welche Montageanleitung verbindlich ist, wie ein Sicherheitsmangel behandelt wird und was beim Verkauf geschieht. Art. 649a ZGB macht Nutzungs- und Verwaltungsordnungen sowie Verwaltungsbeschlüsse grundsätzlich auch für Rechtsnachfolger verbindlich. Gerade deshalb müssen die Pflichten so konkret formuliert sein, dass Käufer, Verwaltung und Gemeinschaft Jahre später noch verstehen, was beschlossen wurde.

BeschlusspunktWarum er hinein gehört
Exakte Beilage mit DatumVerhindert, dass später ein anderes Modul oder eine andere Halterung als «mitbewilligt» gilt
Kosten vollständig beim AntragstellerErfüllt den Kostenpfad für nicht zustimmende Eigentümer und vermeidet Gemeinschaftsrechnungen
Haftung, Versicherung und KontrolleOrdnet das Risiko bei Wind, herabfallenden Teilen und Mehrprämien zu
Zugang und temporärer RückbauFassaden-, Geländer- oder Balkonarbeiten bleiben möglich
Änderungsverbot ohne neuen BeschlussSpeicher, zweites Modul oder neue Position werden nicht stillschweigend eingeschlossen
Verkauf und dauerhafter RückbauKlärt Übernahme durch den Käufer oder Entfernung durch den Verkäufer

Das Dossier vor dem Kauf: sieben Belege statt Produktwerbung

Die Versammlung sollte über ein Projekt entscheiden, nicht über ein Werbeversprechen. Das Dossier muss deshalb vor der Einladung stabil sein. Ändern sich nach dem Beschluss Modulmass, Halterung oder Montageort, wird geprüft, ob der alte Beschluss die neue Ausführung überhaupt noch deckt.

  1. Ansicht und Lage: Foto oder Zeichnung mit Balkon, Modulposition, sichtbaren Kanten und Abstand zur Fassade.
  2. Abmessungen und Gewicht: Datenblatt der exakt vorgesehenen Module und Halterung.
  3. Montage: Herstelleranleitung, Klemmpunkte, Bohrungen, Sicherung gegen Lösen und objektspezifischer Windnachweis, soweit erforderlich.
  4. Elektrik: AC-Nennleistung, Anschlussweg, automatische Abschaltung und Konformitätserklärung für das vollständige Set.
  5. Verfahren: Ergebnis des kommunalen Bauchecks und geplanter Meldeweg zum Verteilnetzbetreiber.
  6. Risiko: Haftpflicht-/Gebäudeversicherungsabklärung und Vorgehen bei Schaden oder Sicherheitsmangel.
  7. Lebenszyklus: Unterhalt, Kontrolle, Zugang, temporärer Abbau, Verkauf und endgültiger Rückbau.

Das BFE trennt im FAQ ausdrücklich drei Ebenen: elektrischer Anschluss, Zustimmung im Miet- oder Stockwerkeigentum und Raumplanung. Eine positive Antwort auf einer Ebene ersetzt die beiden anderen nicht. Die technische Auswahl selbst vertieft der Schweizer Stecker- und Konformitätscheck; die vollständige Budgetliste steht bei den Kosten einer Balkon-Solaranlage.

Rechtsstand 28.07.2026: BBl 2026 1516 ist die Botschaft und BBl 2026 1517 der Entwurf zur Reform des Stockwerkeigentums; beide ersetzen die geltenden Abstimmungsregeln noch nicht.

Versammlung, Verwaltung, Zirkularbeschluss und Protokoll

Die Verwaltung organisiert den Prozess, aber sie ersetzt den Beschluss nicht. Nach Art. 712s ZGB vollzieht sie Gesetz, Reglement und Versammlungsbeschlüsse; von sich aus trifft sie dringliche Massnahmen zur Abwehr oder Beseitigung von Schäden. Eine neue private Anlage an der Fassade ist regelmässig keine solche dringliche Schadenabwehr. Die Verwaltung kann das Dossier auf Vollständigkeit prüfen, das Geschäft mit eindeutigem Antrag traktandieren und den späteren Beschluss kontrolliert umsetzen.

Für die erste Versammlung nennt Art. 712p ein Anwesenheitsquorum: die Hälfte aller Stockwerkeigentümer, die zugleich mindestens die Hälfte der Anteile vertritt, mindestens aber zwei Eigentümer. Ist dieses Quorum nicht erreicht, darf die zweite Versammlung frühestens zehn Tage später stattfinden; dort genügt für die Beschlussfähigkeit ein Drittel aller Eigentümer, mindestens zwei. Das senkt nicht automatisch die Mehrheit, die Art. 647c, 647d oder 647e für die konkrete Massnahme verlangt.

WegFormWichtige Grenze
Ordentliche oder ausserordentliche VersammlungAntrag traktandieren, Dossier beilegen, Stimmen nach Köpfen und nötigenfalls Wertquoten zählenBeschlussfähigkeit und erforderliche Mehrheit getrennt prüfen
ZirkularbeschlussSchriftliche Zustimmung sämtlicher Eigentümer nach Art. 66 Abs. 2 i.V.m. Art. 712m Abs. 2Eine E-Mail-Umfrage mit Mehrheitsantworten reicht nicht
ProtokollBeschluss, Beilage, Abstimmung und Bedingungen festhalten; Art. 712n Abs. 2 verlangt die ProtokollierungDie strengere Pflicht zu datiertem, unterschriebenem und zugestelltem Protokoll steht erst im Entwurf BBl 2026 1517
AnfechtungNicht zustimmender Eigentümer kann einen rechts- oder reglementswidrigen Beschluss gerichtlich anfechtenArt. 75 setzt eine Monatsfrist ab Kenntnis

Die Reformvorlage vom Mai 2026 ist für die redaktionelle Einordnung wichtig, darf aber nicht in den aktuellen Ablauf hineingelesen werden. Am 28. Juli 2026 gelten weder die neue Protokollform des Entwurfs noch ein daraus abgeleitetes neues Recht auf Balkon-PV. Wer einen streitigen Grenzfall hat, lässt Antrag und Reglement vor der Abstimmung schweizerisch-rechtlich prüfen.

Bau- und Netzverfahren sind zwei getrennte Prüfungen

Seit 1. Januar 2026 enthält Art. 32abis RPV einen bundesrechtlichen Meldepfad für genügend angepasste Solaranlagen an Fassaden. Die Verordnung nennt dafür Gestaltungsvarianten und zusätzliche Bedingungen: beispielsweise kompakte rechteckige Anordnung oder einheitlicher Ersatz von Fassadenelementen, kein Überragen der Fassadenkanten, grundsätzlich höchstens 20 cm Abstand, parallele Montage und reflexionsarme Ausführung. Kantonale oder kommunale Gestaltungsvorschriften und Schutzfälle bleiben relevant.

«Bewilligungsfrei» in der RPV bedeutet deshalb nicht «ohne Verfahren» und schon gar nicht «ohne Gemeinschaftsbeschluss». Das Vorhaben ist nach dem kantonalen Meldeweg einzureichen; bei Kulturdenkmälern, Schutzobjekten oder besonderen Zonen kann eine Bewilligung nötig sein. Der CH-Rechtscheck für Balkonkraftwerke ordnet diese öffentlich-rechtliche Ebene ein.

Elektrisch verlangt das BFE-FAQ vom Dezember 2024 eine schriftliche Meldung an den Verteilnetzbetreiber und die Konformitätserklärung des vollständigen Sets. Das Dokument nennt höchstens 600 W AC pro Teilnehmeranschluss. Die Meldung erfolgt mit dem tatsächlich freigegebenen Produkt; der Ablauf beim Netzbetreiber steht im Schweizer Anmeldeguide. Bei Miete statt Eigentum führt der Weg zunächst über das Gesuch an den Vermieter.

Erst nach der Freigabe ein Set auswählen

Die Produktauswahl beginnt mit dem Beschlussdossier: verfügbare Fläche, erlaubte Modulzahl, Farbe, Halterung, Bohrverbot, Leitungsweg und Rückbaupflicht. Ein Rabatt ist kein Grund, vor der Abstimmung zu bestellen. Weicht die gelieferte Konfiguration vom bewilligten Plan ab, wird aus dem vermeintlichen Schnäppchen ein neues Genehmigungsproblem.

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Für die Gemeinschaft ist nicht die Marke ausschlaggebend, sondern die verbindliche Ausführung. Speichert das System Energie, steht die Batterie nicht automatisch im alten Beschluss. Standort, Brandschutz, Gewicht, Leitungsweg und Rückbau werden ergänzt und nötigenfalls neu beschlossen. Aktuelle Produktpreise lassen sich danach im Schweizer Preisüberblick vergleichen.

Wenn die Anlage schon hängt oder die Wohnung verkauft wird

Eine Montage ohne Beschluss schafft keinen Bestandsschutz. BGE 130 III 450 schliesst eigenmächtige Eingriffe in gemeinschaftliche Teile aus; das BFE weist für nicht genehmigte Balkon-PV ausdrücklich auf das Risiko der Entfernung hin. Die Gemeinschaft kann Unterlassung und Wiederherstellung verlangen. Ob im Einzelfall nachträglich genehmigt, angepasst oder zurückgebaut wird, muss in einem ordentlichen Verfahren entschieden werden.

Bei einem Verkauf sollte der gültige Beschluss zusammen mit Dossier, Protokoll, VNB-Unterlagen, Wartungsnachweisen und Versicherungsabklärung in die Verkaufsunterlagen. Art. 649a bindet Rechtsnachfolger an Verwaltungsordnungen und -beschlüsse, doch persönliche Kosten- oder Rückbaupflichten müssen so formuliert sein, dass ihre Zuordnung nicht erst nach dem Eigentumswechsel ausgelegt werden muss. Der Beschluss kann vorsehen, dass der Käufer die Pflichten schriftlich übernimmt oder der Verkäufer vorher zurückbaut.

Vor BestellungVor MontageFür den späteren Verkauf
Begründungsakt und Reglement lesenProtokoll und Beilagen vollständig sichernBeschluss und Dossier offenlegen
Bauteil und ZGB-Kategorie bestimmenBau-/Meldeweg und VNB-Meldung erledigenUnterhalt und Kontrollen dokumentieren
Projekt mit sieben Belegen traktandierenNur die bewilligte Konfiguration montierenÜbernahme oder Rückbau schriftlich regeln
Stimmen nach Köpfen und Wertquoten ausweisenVersicherungs- und Sicherheitsauflagen erfüllenKeine stillschweigende Produktänderung mitverkaufen

Die praktische Abbruchregel

Nicht bestellen, solange unklar ist, ob das Geländer gemeinschaftlich betroffen ist, welche Mehrheit das konkrete Projekt braucht oder welche Ausführung beschlossen werden soll. Ein sauberer Antrag kostet weniger als ein Set, das wegen falscher Halterung, fehlender Zustimmung oder unklarer Rückbaupflicht wieder entfernt werden muss.

Die Reform 2026 ist noch kein Balkonsolar-Recht

Der Bundesrat hat am 13. Mai 2026 die Botschaft BBl 2026 1516 und den Entwurf BBl 2026 1517 vorgelegt. Der Entwurf würde unter anderem die Protokollregel präzisieren: Beschlüsse sollen für ihre Gültigkeit ein datiertes und unterzeichnetes Protokoll erhalten, das allen Eigentümern mitgeteilt wird. Am 28.07.2026 ist das noch kein geltendes Recht. Für den Balkonsolar-Antrag gelten die aktuelle ZGB-Fassung und das bestehende Reglement.

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Markus Weber

Energieberater & TÜV-zertifizierter PV-Fachberater

Markus Weber ist seit 2012 als Energieberater und Solartechniker tätig. In den letzten 5 Jahren installierte er über 50 Solaranlagen in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich als Stockwerkeigentümer einen Beschluss für ein Balkonkraftwerk?

Für ein Modul an der Aussenseite des Balkons, am Geländer oder an der Fassade grundsätzlich ja: Diese Bereiche betreffen gemeinschaftliche Teile und das Erscheinungsbild. Vor dem Antrag werden Begründungsakt, Reglement und das konkrete Montageprojekt geprüft.

Reicht eine einfache Mehrheit der anwesenden Eigentümer?

Diese Pauschalregel ist falsch. Art. 647c verlangt für notwendige Arbeiten die Mehrheit aller Eigentümer, Art. 647d für nützliche Arbeiten zusätzlich die Mehrheit der Wertquoten. Eine typische private Aussenmontage ordnet das BFE Art. 647e zu: grundsätzlich Einstimmigkeit, mit einer eng begrenzten Ausnahme für das qualifizierte Mehr.

Gehört das Balkongeländer zum Sonderrecht?

Der äussere Balkon und das Geländer prägen die Fassade und sind nach Art. 712b ZGB zwingend gemeinschaftlich. Ein ausschliessliches Nutzungsrecht am Balkon macht das Geländer nicht zu Sonderrecht und erlaubt keine eigenmächtige Veränderung.

Kann die Verwaltung das Balkonkraftwerk allein genehmigen?

Die Verwaltung kann Unterlagen prüfen, das Geschäft traktandieren und einen gültigen Beschluss vollziehen. Art. 712s gibt ihr zudem Befugnisse für dringliche Schadenabwehr. Daraus folgt aber keine allgemeine Kompetenz, eine private, nicht dringliche Fassadenänderung ohne Gemeinschaftsbeschluss zu erlauben.

Ist ein Zirkularbeschluss ohne Versammlung möglich?

Ja, aber der gesetzliche Weg über Art. 66 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 712m Abs. 2 verlangt die schriftliche Zustimmung sämtlicher Eigentümer. Eine lose E-Mail-Mehrheit ersetzt diesen einstimmigen schriftlichen Beschluss nicht.

Was muss im Beschluss zum Balkonkraftwerk stehen?

Benannt werden sollten das konkrete Modul und der Montageort, Halterung und Bohrungen, Kosten, Unterhalt, Haftung und Versicherung, Nachweise, Änderungen, Zugang für Fassadenarbeiten, Rückbau und der Umgang mit einem späteren Verkauf. Das Abstimmungsergebnis gehört ins Protokoll.

Was droht bei einer Montage ohne Zustimmung?

Das Bundesgericht schliesst eigenmächtige Umbauten an gemeinschaftlichen Teilen aus. Die Gemeinschaft kann Unterlassung und Wiederherstellung verlangen; das BFE warnt ebenfalls vor Entfernung und Haftungsfolgen. Eine nachträgliche Genehmigung ist kein sicherer Ersatz für den Beschluss vor dem Kauf.

Gilt die Stockwerkeigentumsreform 2026 schon?

Nein. BBl 2026 1516 ist die Botschaft des Bundesrates und BBl 2026 1517 der Entwurf. Am 28. Juli 2026 sind diese Reformvorschläge noch nicht geltendes Recht; massgeblich bleibt die aktuelle Fedlex-Fassung des ZGB.